Umwelt,  Wasser

Aus dem Berufsleben – die Geschwister von TFA

Ich möchte eine neue Beitragsserie starten. Hintergrund ist, dass ich regelmäßiger Blog-Beiträge veröffentlichen möchte. Allerdings sind die meisten meiner Beiträge zeitaufwendig, wodurch ich im Moment nur alle paar Monate etwas auf dem Blog veröffentlichen kann. Deswegen ist die Überlegung, dass ich in dieser Serie einfach locker über meinen Berufsalltag erzähle, was ich erlebe und was ich von Kollegen aus ihrem Arbeitsgebiet erfahre. Seit Jahren wünsche ich mir, dass eines Tages, das was ich im Beruf lerne, in die Art von Texten fließen kann, die ich gerne schreiben möchte. Texte, die Substanz haben, die weiterbilden und die zugleich leicht zu lesen sind. Diese Beitragsserie wird eine konkrete Umsetzung dessen sein und ich hoffe, dass dir, liebe Leserin, lieber Leser, diese Serie gefällt. Also fangen wir an:

Vor ein paar Tagen nahm ich an einem Seminar teil. Darin hielten verschiedene Experten kurze Vorträge. Unter anderem ging es um PFAS, die Ewigkeitschemikalien, die beispielsweise Bestandteil von schmutz- und wasserabweisenden Beschichtungen sind. Ja, ich weiß, dieses Thema wird in den Medien mittlerweile breit behandelt. Mit dem Suchwort PFAS findet man im Internet jede Menge Informationen. Jetzt soll es allerdings um einen neuen Aspekt gehen.

TFMSA

Der Vortragende hat eine Frage aufgeworfen: Ob wir aus Sicht des Wassers tatsächlich die „richtigen“ PFAS gesetzlich regulieren. Im Trinkwasser wird die Summe PFAS-20 auf gesetzlicher Grundlage ab 2026 regelmäßig untersucht. Es sind 20 verschiedene PFAS, die sich unter anderem durch ihre Größe unterscheiden. Es ist gut, dass diesen PFAS Aufmerksamkeit geschenkt wird, weil ihre toxischen Eigenschaften aufgrund umfangreicher Studien ausreichend belegt sind.
Doch gerade kleine polare und persistente Verbindungen sind aus Wassersicht besonders relevant. Manche dieser kleinen Verbindungen sind PFAS, aber es gibt auch noch andere Verbindungen, deren Eigenschaften ähnlich sind. Beide zusammen werden im nachfolgenden Minis genannt. Diese Minis lösen sich sehr gut im Wasser und verteilen sich in allen Wasserkreisläufen der Erde, aber werden bisher gesetzlich nicht reguliert. Außerdem gibt es kaum Untersuchungen zu ihren Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen.

PF6

Zu den kleinen PFAS gehört zum Beispiel auch TFA. Das ist noch das am besten untersuchte der kleinen PFAS. Neuere Untersuchungen belegen, dass TFA wahrscheinlich Geschwister hat, deren Eigenschaften sie ebenso bedenklich für den Wasserkreislauf machen. Die Studienlage ist hier nicht besonders gut, aber was sich abzeichnet: Diese Minis werden nicht richtig in den Kläranlagen abgebaut. Das gereinigte Abwasser mit den Minis wird wie gewohnt in einen Vorfluter, ein Fließgewässer, geleitet. Es zeigte sich, dass die Minis auch ein hohes Potential haben, das Grundwasser zu erreichen, weil sie bei der Versickerung nur schlecht zurückgehalten werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass mit der Aufbereitung auch neue Minis aus Vorläuferstoffen gebildet werden. Damit landen sie in niedrigen Konzentrationen auch im Trinkwasser. Ist das jetzt bedenklich? Keine Ahnung. Es können einfach nur kleine harmlose Verbindungen sein, die uns Menschen nichts machen. Es gibt Hinweise darauf, dass mit abnehmender Größe der Stoffe, deren Toxizität ebenfalls abnimmt. Genaueres wissen wir aber erst, wenn ein belastbarer Wissensstand vorhanden ist. Wie heißen diese Minis nun richtig? Zum Beispiel ein PF6-Ion, oder das BF4-Ion, TFMSA oder NTf2. Letzteres wird als Batterie-PFAS bezeichnet, weil es dort häufig Anwendung findet. 

NTf2

Ein weiterer Hinweis zu den Eigenschaften der Minis macht ebenso nachdenklich: Es scheint so als würden sie sehr gut von Pflanzen aufgenommen werden.  Also sollte nicht nur das Wasser, sondern auch Lebensmittel in die Betrachtungen mit aufgenommen werden, um das Risiko der Minis abzuschätzen.

BF4

Das war jetzt nur ein kleiner Ausflug in ein sehr komplexes Themengebiet. Wer mehr darüber wissen will, kann zum Beispiel bei diesem YouTube-Video anfangen. In dem aufgezeichneten Vortrag wird das Thema Minis tiefergehend diskutiert. Ich bin gespannt, ob dieses Thema in den nächsten Jahren eine größere Aufmerksamkeit erhalten wird, sei es von Wissenschaft, Politik oder Öffentlichkeit. Es könnte genauso sein, dass es eines dieser Themen ist, die sich nach und nach verlaufen. Wir werden sehen. Bis zum nächsten Blog-Beitrag.