Umwelt,  Wasser

Aus dem Berufsleben – der Spurenstoffball wird weitergereicht

Vorträge sind ein gutes Mittel, um von Experten Neues über deren Fachgebiete zu hören. In kurzer Zeit bekommt man so viele Informationen serviert, die einem im besten Fall auch nach den Vorträgen noch beschäftigen.
Vor nicht allzu langer Zeit hörte ich einen solchen Vortrag. Noch während der Experte über sein Fachgebiet sprach, war mir klar, dass das ein gutes Thema für einen Blog-Beitrag sein könnte. Mittlerweile habe ich eine sehr lange Liste mit Ideen für neue Beiträge. Ständig kommt eine weitere Idee hinzu, aber nur einen kleinen Teil davon kann ich tatsächlich umsetzen. Das Thema des Vortrags hat es jetzt in die Endauswahl geschafft.
Im Vortrag blickte ein Forscher, der kurz vor der Rente steht, auf die Jahrzehnte seines Berufslebens zurück, in dem er sich mit der Erforschung und dem Nachweis von Spurenstoffen beschäftigt hat.

„Als Spurenstoffe (oder Mikroschadstoffe) werden Stoffe bezeichnet die in geringen Konzentrationen von wenigen Nanogramm bis Mikrogramm pro Liter im [Wasser vorkommen]. Dazu gehören z.B. Arzneimittelwirkstoffe, Pflanzenschutzmittel, Kosmetika, Reinigungsmittel, Industriechemikalien.“ – Kompetenzzentrum Spurenstoffe

Das Fazit des Vortragenden war ernüchternd: Auch nach Jahrzehnten sind viele Spurenstoffe relevant. Was zuerst als Erfolg verbucht wurde, stellte sich bald darauf nur als ein scheinbarer Erfolg heraus. Zwar hatten von den betrachteten Spurenstoffen die Konzentrationen im Rohwasser deutlich abgenommen. Nur leider nahm die Konzentration der Ersatzstoffe deutlich zu. Dafür gibt es viele Beispiele.

„Rohwasser ist Wasser, das mit einer Wassergewinnungsanlage der Ressource entnommen und unmittelbar zu Trinkwasser aufbereitet oder ohne Aufbereitung naturbelassen als Trinkwasser verteilt werden soll.“ – Bayerisches Landesamt für Umwelt

Zum Beispiel das Röntgenkontrastmittel Iopamidol. Seine Konzentrationen nahmen ab, dafür stieg umso stärker sein Ersatzstoff Iohexol, der über ähnliche Eigenschaften verfügt. Oder der Süßstoff Acesulfam K. Dessen Konzentrationen nehmen ab. Oh Freude. Nur leider nicht für lange, ein anderer Süßstoff – Sucralose – wird stattdessen in höheren Konzentrationen nachgewiesen. Was haben wir noch im Angebot? Komplexbildner wie EDTA mit dem schönen Namen Ethylendiamintetraessigsäure. Dieser Komplexbildner wird zum Beispiel Wasch- und Reinigungsmittel zugesetzt, ist schwer abbaubar und kann auch aktuell noch vereinzelt im Trinkwasser auftauchen. In den 90er Jahren nahmen dessen Konzentrationen nach vielen Anstrengungen im Wasser deutlich ab, doch viele weitere Komplexbildner werden weiterhin verwendet oder wurden neu entwickelt. 

Was soll uns dieser kurze Rückblick nun sagen? Der Vortragende gab den Ball an die nächste Generation weiter. Jetzt ist diese Generation dran, um dauerhafte Lösungen zu finden, um die Spurenstoffeinträge in den Wasserkreislauf zu reduzieren. Arbeit gibt es hier genug.